früher


 
… hat man sehnsüchtig auf den Briefträger gewartet,
… wusste man genau, wann er kommt,
… war man glücklich einmal in der Woche einen Brief zu erhalten,
… hat man diesen Brief hundert Mal gelesen und wie einen Schatz gehütet,
… wurde dieser mit all den anderen Briefen aus den Wochen zuvor zu einem kleinen Paket geschnürt
und liebevoll im Nachtschränkchen aufgehoben.
 
heute
 
… findet man beim Entrümpeln des PCs vielleicht einen Ordner,
… enthält dieser Ordner unzählige word-Dateien,
… öffnet man vielleicht zufällig eine davon …
 
der Name: "Begehren" –
und man begreift, dass das, was in der letzten Sekunde noch Wahrheit war,
in der nächsten Sekunde vergessen sein wird.
 
Die Betroffenheit darüber bezieht sich nicht auf den Menschen,
sondern die Verlogenheit der virtuellen Welt!
 
Der Mensch erreicht mich schon lange nicht mehr,
wohl aber die Lüge!
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2 Antworten zu früher

  1. Schwarzwald-Eremit schreibt:

    Zum ersten Teil doch noch einmal ein Ringelnatz-Gedicht:Ein männlicher Briefmark erlebte*            Was Schönes, bevor er klebte.            Er war von einer Prinzessin beleckt.            Da war die Liebe in ihm erweckt.            Er wollte sie wiederküssen,            Da hat er verreisen müssen.            So liebte er sie vergebens.            Das ist die Tragik des Lebens![Ringelnatz: Die Schnupftabaksdose. Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk, S. 149Vielleicht bin ich noch nicht ganz in der "virtuellen Welt" angekommen, denn ich mache von jeder meiner ganz persönlichen kommenden und gehenden Mails Ausdrucke, die ich auch "bündele" und aufbewahre.Und zum zweiten Teil:Ich kann Deine Betroffenheit sehr gut nachempfinden. Aber "die virtuelle Welt" ist lediglich ein (modernes) Kommunikationsmittel, das von Menschen genutzt wird. Deshalb halte ich es nicht für gut, dem Werkzeug Verlogenheit zu unterstellen, statt dem Menschen, der es bedient.

  2. Monika schreibt:

    Du ahnst noch nicht einmal, wie recht Du mit dieser Bemerkung hast … Nur – ein Mensch kann einem nur so lange weh tun, wie er einen erreicht – und der Mensch, von dem ich rede, kann es nicht mehr … und ich meine nicht die technische Umsetzung!

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